Stabilität als stille Wahl in einer sich wandelnden Welt

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Ich wache auf zum sanften Summen eines Ventilators, die Ränder des Tages weich und ungewiss. Der Himmel lastet schwerer als gestern, und mir fällt auf, wie oft ich Stabilität als ein Geschenk betrachtet habe, das man zufällig findet, nicht als einen Boden, den ich selbst bebauen muss. Sie liegt nicht in dramatischen Umwälzungen, sondern in den winzigen Brüchen des Alltags – den unbeantworteten Nachrichten, den verzögerten Versprechen, den Straßenlaternen, die in der Abenddämmerung flackern und verschwinden. Stabilität, so scheint es, wird nicht gegeben. Sie wird gewählt, leise, oft unbemerkt.

Vorhin ging ich schmale Straßen entlang und sah ein Kind, das ein abgenutztes Spielzeug umklammerte, mit Augen, weit vor einer Mischung aus Vertrauen und Angst. Seine Stabilität lag nicht in Wänden oder Wohlstand, sondern im Rhythmus, den es hielt: ein Atemzug, ein Schritt, eine Pause, ein Lachen. Vielleicht ist es das, was sie von uns verlangt – präsent zu sein, aufmerksam, bereit, uns selbst zu tragen, auch wenn die Strömungen in verschiedene Richtungen ziehen. Einen ruhigen Mittelpunkt zu finden, nicht draußen, sondern in den Räumen, die wir einnehmen, wie klein sie auch sein mögen.

Es liegt eine seltsame Intimität darin, sich dafür zu entscheiden, mitten in der Unsicherheit verankert zu sein, Wurzeln in Boden zu schlagen, der vielleicht nicht hält. Das Gewicht versagender Systeme – Regierungen, Märkte, Nachbarn, Institutionen – kann leise auf den Geist drücken. Doch ich sehe Menschen, die Räume schaffen für Vertrauen, Ausdauer und Ruhe. Sie wählen es, bewusst oder unbewusst. Und vielleicht ist Stabilität kein Zustand, den man erreicht, sondern ein Mosaik aus kleinen, bedachten Handlungen: eine warme Tasse am Morgen, die Stille zwischen Gesprächen, das sanfte Schließen eines Notizbuchs, nachdem Gedanken freigelassen wurden.

Und so sitze ich wieder, Stift in der Hand, Notizbuch offen, horche. Nicht nach Antworten, nicht nach Anleitungen, sondern nach dem zerbrechlichen Puls des Lebens, das darauf besteht, weiterzugehen – dass es weitergeht, weil wir es wählen, und weil wir in dieser Wahl nicht die Welt verändern, sondern uns selbst.

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