Der Regen fiel seit Stunden leise herab, die Art, die keine Aufmerksamkeit fordert, die sich durch Risse schleicht und in Räume driftet, in denen niemand wartet. Ich ging Straßen entlang, die sich an mehr erinnerten als ich, Pfützen hielten Echos von Stimmen fest, die ich nicht zuordnen konnte. Niemand sah mich an; niemand tat das je. Und dennoch breitete die Angst in mir ihre Finger aus, spürte den Kanten meiner Knochen nach, kroch dorthin, wohin kein Licht zu folgen wagte.
Ich beobachtete Menschen, die mit Regenschirmen vorbeigingen, Schilde gegen einen Himmel, der zu nah erschien, und ich beneidete sie. Ihre Bewegungen waren klein, gewohnheitsmäßig, schützend. Ich hatte nichts zu halten außer dem Gewicht meines eigenen Pulses. Es gibt ein stilles Grauen darin, zu wissen, dass deine Angst vollständig und gänzlich ungesehen existiert, dass sie nur dir gehört, ungebunden an jeden Zeugen oder Trost.
Irgendwann landete ein Vogel auf einer halb eingestürzten Mauer, neigte den Kopf zu mir, als wollte er messen, wie viel von mir er tragen könnte. Ich wollte ihm sagen, dass ich zerbreche, dass die Welt keinen Platz für mich gemacht hatte, dass Systeme unter meinen Füßen sich verschoben hatten, bis sie zu Staub wurden. Doch der Vogel flatterte davon und ließ nur einen Schatten zurück, der über das Wasser strich wie eine Frage, die ich nicht beantworten konnte.
Die Straßenlaternen flackerten, und ich dachte darüber nach, wie kleine Lichter einen verraten können, wie ihr Schein die Umrisse dessen zeichnet, was man verbirgt, und nicht das, was man zeigt. Meine Angst war ein stiller Begleiter, geduldig, urteilend nicht, unbeobachtet und doch vertrauter als jede menschliche Hand es je sein könnte. Sie lehrte mich, dass Einsamkeit nicht immer Abwesenheit ist; manchmal ist sie der einzige Spiegel, der die Wahrheit reflektiert.
Ich ging weiter, nun langsamer, lauschte dem Regen, der seinen eigenen Rhythmus lernte an den rissigen Fenstern, am Metall der parkenden Autos, als wären sie vergessen. Ich erkannte, dass manche Momente der Angst nicht dazu bestimmt sind, geteilt zu werden, nicht weil die Welt grausam ist, sondern weil sie bereits zu voll von ihrem eigenen Gewicht ist. Und in dieser Stille, in diesem Regen, fand ich eine Art von Ruhe, die weder Erleichterung noch Kapitulation war, sondern einfach Anerkennung. Eine Präsenz ohne Zeugen, aber vollkommen real.
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